Klaus Mann – Horoskop

Klaus Mann, geboren 18.11.1906, 2:30h München, gestorben 21.05.1949 in Cannes (Freitod)

An der Sonnenstellung erkennt man das Bild, das man von seinem Vater hat.

Dieser Vater, oder das Bild, das wir von ihm haben, prägt uns. Was er von uns denkt, ob er stolz auf uns ist, ob wir ihn enttäuscht haben. Ob wir uns richtig von ihm gesehen und verstanden gefühlt haben. Ob wir eine gute oder eher schwierige Beziehung zu ihm hatten.
Als zweiten Schritt in der psychologisch-astrologischen Tradition steht die Sonne für unser Ego, für unser Bewusstsein, für das, womit wir uns identifizieren, wer wir sind, oder glauben zu sein, oder sein möchten.

Die Sonne als Vatersymbol

Die Sonne ist ein Symbol, das einen Kern und eine Außenhülle darstellt, ein Zentrum in einem Aussenkreis. Wenn der Vater in unserer Kindheit und Jugend eine Art zweite, schützende Haut einnimmt, so wachsen wir, beginnend mit dem ersten Uranus-Uranus-Sextil im Alter von 14 Jahren und endend mit der Saturn/Uranus Quadratur auf unseren Saturn im Alter von ca. 21, in der Adoleszenz, in diese Haut hinein. Wir werden erwachsen und entlassen den Vater sozusagen aus seiner Pflicht.

Dieser Ablöseprozess geht in der Regel genauso wenig glatt und konfliktlos vonstatten, wie unser Vater alles richtig gemacht hat. Es bleiben also immer Reste, die es aufzuarbeiten gilt.

Am folgenden Beispiel lässt sich – unterstützend von anderen Horoskopfaktoren – eine schwierige Sonnen- und damit schwierige Vaterbeziehung festmachen, die – als Folge – lebenslange Identitätskonflikte mit sich zog.

Am Anfang war alles viel zu einfach

Klaus Mann – Sohn eines der erfolgreichsten und angesehensten Schriftsteller des 20.Jahrhunderts, hatte einen angenehmen Start ins Leben.

Klaus war In reiche, wohl behütete Verhältnisnisse geboren. Er war Der zweitälteste von insgesamt 6 Kindern. Besonders eng war Klaus mit der nur ein Jahr älteren Erika Mann verbunden, der resoluten Schauspielerin und späteren engsten Assistentin ihres begnadeten Vaters.

Die beiden sind unzertrennlich und dürfen sich völlig frei entfalten. Eine Jugend in den zwanziger Jahren, in der Welt des Kabaretts, der sexuellen Libertine, der Drogen- und Alkoholexzesse. Klaus erlebt schon frühe Erfolge als Dramaturg und Verfasser von Artikeln. Hierbei hilft die Tatsache, dass er der Sohn eines berühmten Vaters ist. Der Name Mann öffnet alle Türen.

Ein Künstler

Charmant und feinsinnig (Jungfrau mit Waage-Mars in 1), will er hoch hinaus (Mars Quadrat Jupiter/Neptun in 10, beide rückläufig, in Krebs) und neigt von Anfang an zu Schwärmereien (Mond/Merkur/Venus in Schütze in 3). Er fühlt sich besessen und will sich ausdrücken; Tänzer, Schauspieler, nein, vielleicht doch lieber Schriftsteller. Aber der innere Drang (Mond Opposition Pluto) ist unbezwingbar. Jupiter/Neptun verlangen nach rauschhaften Zuständen, die einen die Banalität des Alltag vergessen lassen.

Mars im Spiel

Der deutlich an ihm sichtbare Mars in 1 (weiche Männlichkeit), hat noch eine andere Note, kommt er doch als Herrscher der Häuser 7 (Partnerschaften/ Projektionen) und 8 (Selbstüberwindung, Tabus, psychische Untiefen). Diskretion ist seine Sache nicht. Seine offen ausgelebte sinnliche Seite, homosexuell, konfrontiert den Vater lebenslang mit eigenen, verdrängten Neigungen und ist daher eine offene Provokation.

Klaus-Mann    Radix Klaus Mann, Häuser Placidus

Die wichtigsten Sonnenkonstellationen: Tierkreiszeichen, Aspekte, Herrscher des Sonnenzeichens, Herrscher des Sonnenhauses, Stellung des Sonnenelements:

Klaus-Mann-Aspekte

Fazit: Die Sonne kann sich nur so entfalten, wie ihre Stellung es zulässt: In disem Horoskop steht ihr ein eher steiniger Weg bevor…

Alles-oder-Nichts

Wir stellen zuerst einen Drang fest, sich intensiv und leidenschaftlich, auf eine ‚Alles-oder-Nichts‘-Art und Weise (Skorpion) zu verhalten. Und zwar im Bereich Selbstausdruck und -Vernetzung, Geschwister und Informationssammlung (Haus 3). Dieser Drang wird aktiv angegangen und wirkt auf andere authentisch (Sextil AC). Doch das Quincunx der Sonne zu ihrem Zeichenherrscher Pluto in 9 zeigt einen lebenslangen Machtkampf an. In gewisser Weise eine Besessenheit, ein Gefühl, gegen Dämonen anzukämpfen.

Die dunkle Seite

Später in seinem Leben neigt der sensible Mann zu Depressionen, aus denen ihm niemand heraushelfen kann. Starke Drogen und Alkohol betäuben kurzfristig seine Enttäuschung, nie jemanden gefunden zu haben, der ihn wirklich liebt, nie den Erfolg gehabt zu haben, den er sich erhofft hat.

Ein Qunincux ist ein Aspekt, der subtil frustrierend erlebt wird. Es kann immer nur einer der beiden Komponenten bewusst ausgelebt werden, der andere bleibt ‚ausgeschaltet‘. Unbewusst ‚vermisst‘ man aber immer den anderen Persönlichkeitsanteil, den Lebensbereich, der gerade nicht gelebt wird. Und so entsteht ein Lebensgefühl, das sich mit dem Gefühl, auf einer Wippe zu sein, vergleichen lässt, oder mit dem Gefühl, auf einem Auge halb blind zu sein.

Man stolpert hin und her, hat das Gefühl, etwas zu verpassen, ständig im Leben entweder verfrüht oder zu spät zu kommen. Im Falle Sonne Skorpion in 3/ Pluto Zwillinge in 9 ist die Dynamik die folgende: Immer wenn man schreibt/ liest/ sich im Alltag auf dem Marktplatz vernetzt/ lernt/ mit Geschwistern etwas macht (Haus 3), hat man unbewusst den starken Drang, sich selbst leidenschaftlich zu überwinden, indem man reist/den Sinn sucht/ sich weiterbildet/ weit aus dem Fenster lehnt (Haus 9).

In seinem ganzen Leben hat sich Klaus Mann nirgends so richtig zuhause gefühlt, sondern blieb ein Nomade, zeitweilig auf der Flucht vor den Nazis, dann als Kriegsberichterstatter, dann in Frankreich. Seine Art zu schreiben (3.Haus), war im Ausland (9.Haus) nur schwer zu vermitteln und so konnte er an die frühen Erfolge aus den 20er Jahren nicht mehr anknüpfen.
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Ein anderes Bild ist, dass der Vater (Sonne) die eigenen tabuisierten, verpönten, ‚dunklen‘ Anteile (Pluto) ’schräg ansieht‘ (150°-Winkel). Aspekt kommt von ‚aspectare‘ = anblicken.

Der Vater bringt die Ohnmacht und Hemmung des Sohnes zum Schwingen.

Synastrie-Vergleich seiner Sonne mit Komponenten des Vaters:

Synastrie-Sonne-Klaus-mit-Thomas-Mann      Sonne-Synastrie-Klaus-und-Thomas-Mann-Uebersicht
Synastrie Klaus (innen)/ Thomas (aussen): Von Aussen ausschliesslich Aspekte auf die Sonne

Der Zauberer

Alle 6 Kinder und Katja Mann, die Ehefrau, haben Thomas Mann ‚den Zauberer‘ genannt, dieser unterschrieb mit ‚Z‘.

Ein Planet, der gut zu einem Zauberer passt, ist Pluto. Schließlich steht dieser für Magie und die Macht, Dinge zu verändern, verschwinden zu lassen. Auch die Kleidung hat etwas plutonisch-magisches.

Beim später homosexuellen Kind ist der elterliche Ablösungsprozess etwas anders als beim später heterosexuellen. Es wird – unbewusst – um die Gunst des gleichgeschlechtlichen Elternparts gebuhlt.

Den Söhnen gegenüber immer fremd

Thomas Mann hat sich aber leider mit keinem seiner 3 Söhne je wohl und ungezwungen gefühlt und konnte ihnen keine offene Liebe und Zuneigung zeigen. Anders als mit zwei seiner 3 Töchter: die Älteste (Erika) und die Jüngste (Elisabeth) hat er abgöttisch geliebt und zeigte diese Bevorzugung auch, worunter natürlich die Söhne litten.

Ein Blick auf die Synastrie verrät, was Klaus Mann für seinen Vater für eine Bedrohung und Provokation gewesen sein muss, Lilith, Saturn, Chiron und Pluto alle in Spannungsaspekten zur Sonne des Sohnes. Klaus hingegen muss sich mit dieser Konstellation wie ein ‚Kaninchen vor der Schlange‘ gefühlt haben. Oder doch eher vielleicht wie ein verpönter Anteil des Vaters, der ja seine eigenen homoerotischen Neigungen nie offen ausgelebt hat?


Zu diesem Thema gibt es ein Webinar:

Die Sonne der innere Vater: Die Sonne als Symbol der ‚zweiten Haut‘Der-innere-Vater Die Sonne als Symbol der zweiten Haut im Horoskop von Martin Sebastian Moritz